Professionellen offene Kinder- und Jugendarbeit braucht gute Rahmenbedingungen

Beitrag in: aufgePASST! Unabhängige Zeitung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in wien, Ausgabe #6 / Herbst 2017

Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist eine überaus wichtige Arbeit in und für unsere Gesellschaft. Jugendarbeiter*innen können von Kindern und Jugendlichen kontaktiert werden, wenn diese einmal mit jemanden anderen sprechen wollen als mit Verwandten, Freund*innen und Lehrer*innen. Dazu gibt es in der Lebensphase der Kindheit und Jugend genug Gründe, wie Konflikte mit den Eltern, in der Schule, in der Lehre, am Arbeitsplatz oder mit Freund*innen, Fragen zu Sexualität, Umgang mit Alkohol oder anderen Substanzen, etc. Jugendarbeiter*innen haben keine anderen Aufgaben, als für Kinder und Jugendliche da zu sein. Sie müssen nicht kontrollieren, ob sie in die Schule gehen, oder Arbeit suchen. Sie haben nicht die Pflichten, die Eltern und Erziehungsberechtigte haben. Und sie sind nicht Teil einer Clique. Aber sie suchen die Kinder und Jugendlichen dort auf, wo sie sich aufhalten, sie gestalten Orte wie Jugendzentren und -treffs, in denen Kinder und Jugendliche leicht angesprochen werden können. Für manche Kinder und Jugendliche stellen Jugendarbeiter*innen die einzige bzw. letzte Möglichkeit dar, Probleme mit einem Erwachsenen zu besprechen.
Offene Kinder- Jugendarbeit unterstützt die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, sowie die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen des Kindseins, der Jugend und des Erwachsenwerdens – alternativ zur Schule, in der es auch disziplinierende Aufgaben gibt und alternativ zu den Erziehungsberechtigten, mit denen sich Kinder und Jugendliche beim Zusammenleben alltäglich arrangieren müssen. Freizeitangebote der Jugendarbeit sind dabei nicht nur darauf ausgerichtet, dass Zeit sinnvoll verbracht wird, sondern sie sind auch Lernräume, die sich an den Bedürfnissen der Kinder- und Jugendlichen orientieren. Darüber hinaus achtet die offene Kinder- und Jugendarbeit darauf, dass die Interessen der Kinder und Jugendliche gesellschaftlich wahrgenommen werden, wie z.B. bei der Gestaltung von Parkanlagen. Jugendarbeit setzt sich dafür ein, dass sich Kinder und Jugendliche in Partizipations- und Gestaltungsprozesse einbringen. Offene Kinder- und Jugendarbeit übernimmt daher auch einen wichtige Funktion der politischen Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Diese Arbeit benötigt viel Wissen darüber, wie Kinder und Jugendliche denken, was sie beschäftigt. Es braucht Wissen darüber, wie Kontakte gut aufgebaut und Beziehungen gut geführt werden können. Kinder- und Jugendarbeiter*innen müssen wissen, wie das Umfeld, das Jugendtreff, das Programm im Parkt, etc. gestaltet werden muss, damit Kinder und Jugendliche angesprochen werden und sich in die Angebote auch einlassen können. Dieses Wissen muss eng verknüpft sein mit Handlungskompetenzen, mit Methoden, die es dazu braucht, sowie mit einer professionellen Haltung. Jugendarbeiter*innen müssen sich laufend mit ihrer Rolle und Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Sie sind ihnen sehr nahe, sind aber auch keine Freunde. Sie müssen mit Problemen und Druck der Kinder und Jugendliche umgehen, verständnisvoll sein, aber auch eigene Positionen beziehen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verlangt also viel Verantwortung, aber auch hohe Kompetenzen.

Diese Arbeit sollte daher auch gut bezahlt werden. Geregelt ist diese im Kollektivertrag für Sozialwirtschaft (SWÖ). Leider wird dort zwischen sozialpädagogischer und sozialarbeiterischer Tätigkeit unterschieden, obwohl es fachliche längst überholt ist, eine solche Unterscheidung in der Jugendarbeit vorzunehmen. Diese Einstufungen führen zu einem Zwei- bzw. Mehrklassensystem in der Jugendarbeit, was weder fachlich begründbar, noch gut für das Arbeitsklima in den Teams ist. Kinder- und Jugendarbeit ist immer Beziehungsarbeit, ist immer eine pädagogische Arbeit, die sensibel ist und hohe Qualifikation voraussetzt. Im Sinne der Bedeutung der Jugendarbeit für die Gesellschaft, sollte daher darauf geachtet werden, dass gut ausgebildete und gut bezahlte Jugendarbeiter*innen tätig sind. Die Spaltung der offenen Kinder- und Jugendarbeit führt eher zu einer Schwächung der Qualität der Arbeit. Dieser Fehler sollte daher möglichst bald behoben werden.

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