Montag, 2. März 2009

Zuwendung zum Gemeindebau

Bei der kürzlich abgeschlossenen Klubklausur der SPÖ Wien wurde eine Vielzahl von Maßnahmen zum Gemeindebau beschlossen. Erfreulich ist, dass sich die offizielle Stadtpolitik damit einem Raum zuwendet, in dem sich Benachteiligung in letzter Zeit vermehrt verdichtet hat. Laut Tageszeitungen (u.a. Kurier, der Standard, Presse und Wiener Zeitung u.a. am 27.2.09) wird es zu einem Mix an Maßnahmen kommen: Es soll sowohl die baulichen Sanierungen intensiviert werden, die Besiedelungspolitik akzentuiert, die Wiedereinführung von HausbesorgerInnen betrieben werden und die Gebietsbetreuungen ausgebaut werden, was äußerst vielversprechend klingt. Wie diese Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden, ist in den Zeitungen naturgemäß noch nicht nachzulesen. Folgendes erscheint wichtig zu sein:

1.dass die Aufgaben der Vor-Ort AnsprechpartnerInnen von Wiener Wohnen, den HausbesorgerInnen und der Gebietsbetreuungen gut abgegrenzt und aufeinander abgestimmt werden.

2.dass Gebietsbetreungsarbeit weniger darauf ausgerichtet sein kann, einseitig das Zusammenleben zu kontrollieren, sondern, dass es vielmehr darum gehen wird, Zusammenhänge und Aushandlungsräume zu schaffen, wo gegenseitige Verständigung, sowie gemeinsame Regeln des Zusammenlebens entwickelt werden können.
Damit könnten den Gebietsbetreuungen einen entscheidendere Rolle der „Integrationsarbeit“ im Gemeindebau zukommen.

3.Wenn es um die Verbesserung der Lebenssituation der GemeindebaubewohnerInnen gehen soll, wird nicht nur die horizontale Verständigung relevant sein, sondern auch, dass BewohnerInnen-Interessen im politischen Aushandlungsprozess wieder vermehrt zum Tragen kommen – also die Integration in gesellschaftliche Teilsysteme. Gebietsbetreuungsarbeit könnte dabei einen Beitrag leisten, in dem den BewohnerInnen Wissenszugänge vermittelt, sie bei der Organisation ihrer Interessen unterstützt, sowie die vertikalen Aushandlungsprozesse gestaltet und moderiert werden.

4.Das alles hätte natürlich Konsequenzen für die Strukturen der GBs.

Von der Umsetzung dieser vielversprechenden Ansätze kann einiges erwartet werden!

Samstag, 21. Februar 2009

GWA in Masterstudiengängen des FH Campus Wien

Der FH Campus Wien bietet derzeit zwei Masterstudiengänge an, die aus der Perspektive der Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit interessant sind. Andererseits unterscheiden sich die beiden Studiengänge voneinander – hier ein kurzer Vergleich:

Masterstudiengang Sozialraumorientierte und klinische Soziale Arbeit

Im Herbst 09 startet der dritte Durchgang des berufsbegleitenden Master-Studiums "Sozialraumorientierte Soziale Arbeit" bzw. "Klinische Soziale Arbeit". Für Personen, die sich im Bereich der Gemeinwesenarbeit und Stadtteilarbeit weiterentwickeln wollen, ist die Vertiefungsrichtung "Sozialraumorientierte Soziale Arbeit" interessant, wobei das Studium weit über die GWA hinausgeht. Behandelt wird u.a. das Raumverständnis im Rahmen der Sozialen Arbeit, die Wirkung der räumlichen Verortung der sozialen Arbeit, der Wechselbezug zwischen professionellen Handeln und sozialen Verhältnissen und das Verhältnis zwischen Sozialpolitik und Sozialer Arbeit. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist der Bereich "Forschung und Entwicklung". Die Vertiefungsrichtung „Sozialraumorientierte Soziale Arbeit“ qualifiziert daher breit für die Soziale Arbeit.

Dieser Masterstudiengang ist ein öffentlich finanzierter Studiengang – es fallen daher nur die einfachen Studiengebühren an. Der Studiengang wird derzeit berufsbegleitend geführt. Die Lehrveranstaltungen finden hauptsächlich abends unter der Woche statt. Die Studiendauer beträgt 4 Semester.

Weitere Infos sind auf der website zu finden:
http://www.fh-campuswien.ac.at/studium/soziales/master/sozialraumorientierte_und_klinische_soziale_arbeit/


Masterstudiengang „Gemeinwesenentwicklung, Quartiersmanagement und lokale Ökonomie“

Dieser Studiengang ist spezialisiert für die Gemeinwesenarbeit und die Entwicklung der lokalen Ökonomie. Dabei wird u.a. das Verhältnis der Sozialen Arbeit zur Ökonomie, aber auch zur Zivilgesellschaft und zum Staat behandelt. Auch dieser Studiengang verfügt über einen Forschungsschwerpunkt.

Der Studiengang wird unter der Federführung der Hochschule München geleitet – die meisten Lehrveranstaltungen finden in München statt. Der Masterstudiengang wird in Kooperation von fünf (Fach-)Hochschulen aus Deutschland und der Schweiz, abgewickelt. Kooperationspartner sind Hochschule München (federführend), Hochschule Kempten, Evang. Fachhochschule Freiburg, Fachhochschule für Sozialarbeit Campus Wien, Fachhochschule Nordwestschweiz, FHS St.Gallen - Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften, Berner Fachhochschule, Departement Soziale Arbeit.

Da der Studiengang berufsbegleitend durchgeführt wird, finden die Lehrveranstaltungen geblockt statt (ca. 3 Wochen je Semester). Die Studiendauer beträgt 5 Wochen.
Der Masterstudiengang ist frei finanziert, die Studiengebühren betragen daher 6000,- Euro.

Der dritte Jahrgang wird im Wintersemester 2009/2010 starten.

weitere Informationen:
www.fh-campuswien.ac.at/studium/soziales/master_lehrgaenge_zur_weiterbildung/gemeinwesenentwicklung__quartiermanagement_und_lokale__konomie/

und

www.macd.hm.edu/


Bei beiden Studiengänge nehmen für den Studienbeginn Herbst 09 noch Anmeldungen entgegen.

Samstag, 7. Februar 2009

Gemeindebau-Mediator als neueR HausbesorgerIn?

Die Wochenendausgabe der PRESSE widmet sich wiedermal dem Wiener Gemeindebau. Interessant: lt. Presse wird seitens des SR Michael Ludwig an einem neuen Hausbesorgermodell gearbeitet, u.a. auch bestärkt durch die Forderung von der MieterInnen bei der jüngst durchgeführten MieterInnen-Befragung: Drei Viertel der MieterInnen forderten die Wiedereinsetzung von HausbesorgerInnen. Gearbeitet wird lt. Pressen an einem „Gemeindebau-Mediator“. Dabei stellt sich die Frage, wie dieses Modell sich zum Modell der Gebietsbetreuungen in den Gemeindebauten verhalten wird.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Sicherheit und Gentrification in Wien

Ein paar interessante Links zum Thema:

http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/ma18/pdf/newsletter-08-11.pdf

http://josephgepp.twoday.net/stories/5267711/

http://gentrificationblog.wordpress.com/2008/08/15/wien-soziale-wohnungspolitik-verhindert-verdrangung/

Die Links zeigen, dass die Sicherheit in Wien vergleichsweise sehr hoch ist - eine Argumentation, die unterwandert wird durch die Videoüberwachungs-Diskussion.

Sonntag, 1. Februar 2009

Stadt Wien setzt weiterhin auf die Videoüberwachung

Laut Rathauskorrespondenz vom 28.1.09,
http://www.magwien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020090128009
setzt die Stadt Wien weiterhin auf die Videoüberwachung im Gemeindebau. Somit haben sich die Kräfte dagegen offensichtlich nicht durchsetzen können.

Problematisch ist dabei zumindest dreierlei:

1.Stigmatisierung „unsicherer“ Orte:
Die Probleme werden nicht gelöst, sondern nur von einem Ort auf einen anderen verschoben. In der Folge, entsteht der Druck, die Videoüberwachung immer weiter auf möglichst alle Orte auszudehnen. Das kostet nicht nur viel, sondern schafft vermeintlich sicherer Räume, denen sehr „unsichere Räume“ gegenüberstehen. An den Orten, an denen keine Videoüberwachung mehr finanziert wird, kann die subjektive und objektive Unsicherheit massiv zunehmen – die Stadt wird quasi separiert in sichere und unsichere Orte. Eine zunehmende Stigmatisierung einzelner Orte ist die Folge.

2.Stigmatisierung von „Symptomträger“:
Es wird der Eindruck erweckt, dass soziale Probleme durch Kontrolle und Überwachung gelöst werden können. Auch da ist zu befürchten (und empirisch nachweisbar), dass sich Probleme nur verschieben. Die Überwachungsindustrie profitiert daher noch am ehesten.
Allerdings wird durch zunehmende Überwachung soziales Verhalten auch als Ausdruck sozialer Ungleichheit und Konflikt, kriminalisiert. „Symptomträger“ gesellschaftlicher Verhältnisse und Entwicklungen werden stigmatisiert und noch mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Dabei könnte schnell jedeR von uns betroffen sein, wenn gesellschaftliche Normen enger definiert werden, wenn das eigene Kind eine Jugendsünde begeht, etc.

3.Prinzip „Misstrauen“
Problematisch ist außerdem, dass in einem „Überwachungsstaat“ ein Klima des Misstrauens, der gegenseitigen Beobachtung und der zentralen Beobachtung durch staatliche Instanzen befördert wird. Dabei werden Verhaltensregeln unterstützt, die nicht die gegenseitige Verständigung, das miteinander Reden, sondern gegenseitiges Misstrauen bestärken.

Aus diesen Überlegungen heraus macht es Sinn zu überlegen, wie diesen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann – dazu ein paar erste Ideen:

1.Entwicklung von alternativen Handlungskonzepten:
Die Gemeinwesenarbeit, bzw. Konfliktarbeit, wie sie beispielsweise von den Gebietsbetreuungen „Wohn“ umgesetzt wird, erscheint mir durchaus eine schon bestehende Handlungsalternative darzustellen. Investiert wird weniger in die Überwachung, sondern vielmehr in die Kommunikation, in die Bildung von Netzwerken, in die Bildung von Vertrauensbasis und in die Konfliktbearbeitung. Meiner Meinung nach, würde es Sinn machen, diese alternativen Handlungskonzepte und deren Wirkung öffentlich mehr sichtbar zu machen – das Wiener Vernetzungsfrühstück könnte dabei einen Beitrag leisten.

2.Aufklärung betroffener BewohnerInnen:
Professionelle Gemeinwesen- und StadtteilarbeiterInnen könnten vielleicht auch gemeinsam mit interessierten PolitikerInnen und BewohnerInnen drüber nachdenken, wie mit den BewohnerInnen gezielter in Kontakt getreten werden kann, die die Videoüberwachung fordern. Wie können sie informiert und aufgeklärt werden? Wie kann argumentiert werden?
Auch darüber könnte u.a. im Vernetzungsfrühstück diskutiert werden.

3.Entwicklung von Strategien gegen die Videoüberwachung:
Darüberhinaus könnten Strategien entwickelt werden, bei der die Videoüberwachung an Attraktivität verlieren könnte. Eine Möglichkeit dabei wäre es, die Kosten auf die BefürworterInnen so abzuwälzen, dass diese mehr sichtbar wird.
Interessant dabei wird übrigens auch, wie die Evaluierung über die Überwachung in 8 Wohnhausanlagen, die im Herbst vorliegen soll, ausgehen wird: Stehen die Kosten der Videoüberwachung, die von der Allgemeinheit bezahlt werden muss, in einem Verhältnis zu den Devastierungsschäden? Wie werden die Kosten der Videoüberwachung überhaupt berechnet? Werden die Personalkosten (Betreiben der Analgen, Videobänder sichten, Bearbeitung von Telefonaten aufgrund von Schadensmeldungen, etc.) mitberechnet? Ist es zumutbar, dass die Allgemeinheit teure Videoüberwachung finanziert, dafür dass ein paar Reparaturkosten eingespart werden können? Und wer muss eigentliche zahlen, die MiterInnen, die SteuerzahlerInnen?


Kurz: ich würde anregen, das Thema breiter und öffentlich zu diskutieren, auch, aber nicht nur im Rahmen des Vernetzungsfrühstücks für GWA.

Montag, 26. Januar 2009

aktuelle Veranstaltungen

Gleich drei Veranstaltungen mit GWA-Bezug sind (bzw. waren) in dieser Woche geplant (eine davon wird aufgrund von Krankheitsfällen verschoben).

Di, 27.1.09, 9.30-13.30
Lokale Ökonomie in Wien. Chancen und Perspektiven für eine nachhaltige Stadtentwicklung.
u.a. mit Studienpräsentation des ÖIR


Do, 29.1.09, 15.00-20.00
33. Wohnsymposium: Wie neue Stadtteile entstehen: Durchgeplant oder gewachsen. Masterpläne, Wohnmodelle und Bewohnerwünsche als Motoren der Entwicklung

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Der Workshop „Im Gemeindebau“ im Rahmen der Wiener Wohnbaufestwochen 2008/09 veranstaltet durch die Geschäftsgruppe Wohnen, MA 50 – Wohnbauforschung, koordiniert durch SRZ Stadt- und Regionalwissenschaftliches Zentrum (übrigens mit website mit interessanten Informationen: http://www.srz-gmbh.com/) wird verschoben.

Montag, 22. Dezember 2008

Öffentlicher Raum in Ö1

Am Sa, 20.12.08 wurde auf Ö1 im Rahmen des Magazins Diagonal um 17.05 eine interessante Sendung über den öffentlichen Raum gebracht:

http://oe1.orf.at/programm/200812205001.html

Interessante Inhalte kurz genannt:

räumliche Verdrängung von Verhalten durch Videoüberwachung

Studie über broken-windows-Theorie, die die Theorie belegt, obwohl sie durch die meisten empirischen Studien längst widerlegt ist.

Projekte der Kunst im öffentlichen Raum, z.B. „Stolpersteine“

über eine von der MA 18 als Werkstattbericht veröffentlichte Studie von Andrea Breitfuß, Jens Dangschat, Sabine Gruber, Sabine Gstöttner und Gesa Witthöft: „Integration im öffentlichen Raum“

Über die Ökonomisierung des öffentlichen Raums z.B. durch GEWISTA und die Verflechtung mit der Stadt Wien (als Teileigentümerin)

und vieles mehr ....


Ich wünsche allen LeserInnen schöne Feiertage und alles Gute für den Jahresbeginn!
christoph stoik

Studie zu Typisierung sozialer Räume

Bei einem äußerst interessanten Workshop zu „sozialer Dynamik“ am 16.12.08 hat Christoph Reinprecht von der UNI Wien (Soziologie) vorläufige Ergebnisse einer von der MA 18 beauftragten Studie zur Entwicklung von Sozialräumen vorgestellt. Besonders bemerkenswert aus meiner Sicht:

1.Um Entwicklungen tatsächlich erkennen und bewerten zu können braucht es nicht nur quantitative Daten, sondern auch qualitative.

2.Das Interesse für dieses kleinräumige, sozialräumliche Betrachten der Stadt stößt auf breites Interesse. Der Workshop war von VertreterInnen aus unterschiedlichen Geschäftsgruppen besucht. Sozialräumliches Vorgehen hat zur Folge, dass die Stadtentwicklung interdisziplinär und aus unterschiedlichen Ebenen zu betrachten ist.

3.Die Typisierung sozialer Räume ermöglicht, dass viel gezielter geplant und Maßnahmen entwickelt werden kann. Es besteht aber auch die Notwendigkeit, dass die top-down-Logik der Gesamtstädtischen Planung wirksam koordiniert wird mit den Maßnahmen vor Ort. „Harte Maßnahmen“ wie die Planung oder Investitionen in die Stadtteile muss kombiniert werden mit weichen Maßnahmen der Kommunikation und Partizipation. Die Koordinierung der beiden Zugänge, die sich gegenseitig beeinflusse wird eine der großen Herausforderungen darstellen.

Auf die Endergebnisse kann man/frau gespannt sein!

Tagungsankündigung Sozialraumorientierung

"Gewusst und doch nicht im Blick?"
Herausforderungen für die Regionalentwicklung urbaner und ländlicher Räume am 19. und 20.03.2009 in der Evangelischen Akademie Meißen


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie/ Euch auf eine Fachtagung des Studienbereiches Jugend der Evangelischen Akademie Meißen, der Landesarbeitsgemeinschaft Sachsen Quartiersmanagement und Gemeinwesenarbeit e.V., der Technischen Universität Dresden, dem Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V. und dem Pro Jugend e.V., Freital aufmerksam machen.

Nähere Informationen finden sich im Anhang.


Mit liebe Grüße


Tobias Habermann
--


Quartiersladen Leipziger Westen

Quartiersmanagement Leipziger Westen

Lützner Straße 17
04177 Leipzig

Tel.: 0341--2419464
Fax: 0341--3375452
kontakt@leipzigerwesten.de
www.leipzigerwesten.de

Träger:
ZAROF. Gesellschaft für Organisations- und Regionalentwicklung mbH

Das Quartiersmanagement wird gefördert über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen von URBAN II Leipziger Westen.

Freitag, 5. Dezember 2008

Gemeinwesenarbeit und Sozialraumorientierung/Sozialraumarbeit I

Das Verhältnis zwischen GWA und Sozialraumorientierung/Sozialraumarbeit hat mich in der gesamten vergangenen Woche beschäftigt:

Sozialraumorientierung in der Jugendarbeit, Ulrich Deinet am IFP:

Bei einer Veranstaltung am IFP am 27.11.08 mit Ulrich Deinet, Richard Krisch und Manuela Brandstätter haben wir über das unterschiedliche Verständnis zu Sozialraumarbeit diskutiert.
Meine Position dazu hab ich ja bereits veröffentlicht, u.a. in:

Stoik, Christoph: Sozialraumorientierung als theoretische Grundlegung der Sozialen Arbeit. In: Sozialarbeit in Österreich. Nr.: 1/08, Wien, 2008:

a) Sozialraumorientierung als Governance- und Sparstrategie:
Verlagerung von sozialstaatlicher Verantwortung in den „sozialen Raum“ und
Verlagerung von Aushandlungsprozessen in den territorialen lokalen Raum als Governance-Strategie

b) Tradition der Gemeinwesenarbeit

c) Sozialraumorientierung in der Jugendarbeit, Deinet, Krisch et al (Aneignungsraum)

e) Sozialraumarbeit als theoretische reflexive Haltung (Kessl/Reutlinger)


kritische Auseinandersetzung zu Sozialraumorientierung in der Jugendwohlfahrt, Hinte am Masterstudiengang:

Bei einer Lehrveranstaltung am Masterstudiengang klinische und sozialraumorientierte Soziale Arbeit mit Wolfgang Hinte als Gastreferent (3.12.08) wurde über Hintes Konzept der Sozialraumorientierung äußerst kontrovers diskutiert.
Zentrale Diskussionspunkte:
Problematik des Missbrauchs eines Fachkonzeptes für den Sparkurs von Kommunen
Soziale Arbeit, die „neutral“ Arrangements für Aushandlungen schafft (Hinte), Soziale Arbeit, die soziale Verhältnisse beeinflusst und Soziale Arbeit, als normierendes Instrument des Sozialstaats

Wolfgang Hinte berät Kommunen bei der sozialräumlichen Umgestaltung der Jugendhilfe in Deutschland, Schweiz und Österreich. Betont wird dabei die Fachlichkeit, u.a.:
- Ansetzen am „Willen“ der KlientInnen (lebensweltorientierter Zugang)
- Ressourcenorientierung in Bezug auf KlientInnen und dem „sozialen Raum“

Kritisiert wird, dass der Hintergrund für diese Umgestaltung als Strategie des aktivierenden Sozialstaats verstanden werden muss: Die Verantwortung wird verlagert von der staatlichen Ebene auf den sozialen Raum. Die Träger werden mitverantwortlich gemacht für die Nutzung der Jugendwohlfahrtsgelder („Sozialraumbudgets“) – staatliche Instanzen können sich der Verantwortung leichter entziehen.
Außerdem werden die Ressourcen in den „Sozialen Räumen“, u.a. die BewohnerInnen für die Erledigung der Aufgaben der Jugendwohlfahrt genutzt.


Beibehaltung des Begriffs „Gemeinwesenarbeit“ - DGS-Sektion GWA

In der Sektion „Gemeinwesenarbeit“ der deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (29.-30.11.08 in Jena) wurde u.a. über das Verhältnis Gemeinwesenarbeit und „Sozialraumarbeit“ (Kessl/Reutlinger) diskutiert. „Sozialraumarbeit“ wurde von den einen als theoretisch fundierte und stringente Weiterentwicklung innerhalb der Theoriebildung der Sozialen Arbeit verstanden, von den anderen als „alter Wein in neuen Schläuchen“.
Einigkeit herrschte darüber, dass Wissensbestände verloren gehen würden, wenn das Fachkonzept „Gemeinwesenarbeit“ aufgegeben werden würde.
Ich persönlich sehe folgende Bestände, die dafür sprechen, weiter auch von Gemeinwesenarbeit zu sprechen:

1.vorhandenes Handlungswissen und Methoden im Rahmen der GWA
2.zivilgesellschaftliche Tradition und theoretische Bezüge (von Settlementbewegung über Community Organizing bis educacion popular)
3.internationale Verwendung von „community work“ bzw. „community development“, inkl. aktuelle Entwicklungen der Gemeinwesenökonmie

Auch aus disziplinstheoretischer Perspektive macht es Sinn, den Begriff „Gemeinwesenarbeit“ als traditionsreiches Handlungskonzept der Sozialen Arbeit zu erhalten und nicht wegen jeder neuen Mode Begriffe andauernd zu ändern.


Wiener Vernetzungsfrühstück für Gemeinwesenarbeit

Auch im Vernetzungsfrühstück am 4.12.08 wurde die Diskussion zu Sozialraumorientierung/Sozialraumarbeit – GWA eröffnet. Trotz unterschiedlichem Verständnis zum Begriff „Sozialraum“ fließt der Begriff zunehmend ein in verschiedene Handlungsfelder und Disziplinen/Professionen (Stadtentwicklung, Stadtplanung, Soziale Arbeit, ...). Eine Beschäftigung mit beiden Zugängen wurde daher im Vernetzungsfrühstück als wichtig erachtet - weitere Diskussionen sollen folgen.

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