Freitag, 8. Oktober 2010

Umbau der Wiener Drogenarbeit?

Reminder: Kamingespräche
Zum Thema: Umbau der Wiener Drogenarbeit?

Mit: Michael Dressel, MA (Wiener Drogenkoordinator, SD Wien)
Moderation: Christoph Stoik

Mittwoch, 13.10.2010, 16:00-18:00, FH Campus Wien, B.E.01

Donnerstag, 22. Juli 2010

GWA Tagung in Strobl

Am Mo, 4.- Mi, 6. Oktober 2010 findet am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl wieder eine Tagung zu Gemeinwesenarbeit statt.

http://www.gemeinwesenarbeit.at

Mit dieser Tagung werden unterschiedliche Traditionen des Diskurses rund um Gemeinwesenarbeit verknüpft. Das Netzwerk Gemeinwesenarbeit, getragen v.a. von Lehrenden der Fachhochschulen zu Sozialer Arbeit trifft auf das Netzwerk der Erwachsenenbildung, das sich seit 1979 am BIFEB in Strobl mit GWA auseinandersetzt. AkteurInnen der Gemeinwesenarbeit aus unterschiedlichen Professionen - sowohl aus dem ländlichen als auch aus dem städtischen Räumen - werden dabei angesprochen, in Auseinandersetzung und Austausch zu treten.

Mich freut dabei, dass es wieder einen Raum zur Reflexion für GemeinwesenarbeiterInnen gibt.

Unter dem Titel „Soziale Arbeit und Erwachsenenbildung im Dialog“ wird u.a. eine Bestandsaufnahme zur GWA in Österreich vorgenommen (Eva Sing).
Außerdem wird reflektiert, welche Antworten Gemeinwesenarbeit in Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen geben kann. Kritisch wird dabei das Raumverständnis in der GWA und in der Erwachsenenbildung hinterfragt, angeregt durch ein Referat von Christian Reutlinger.

Anemeldung und Zimmerreservierung: http://www.bifeb.at/
kein Tagungsbeitrag

Tagung am FH Campus Wien

Auf der Tagung "Lust am Konkreten! Ansprüche und Widersprüche Sozialer Arbeit", organisiert von Verein kriSo – Kritische Soziale Arbeit und der Studiengang Soziale Arbeit an der FH Campus Wien, besteht die Möglichkeit in fachlichen, kritischen Diskurs zu treten.

Damit kann der FH Campus Wien einen Diskurs- und Reflexionsort auch für die GWA (insbesondere in Wien) anbieten. In einem Workshop wird zu „Gemeinwesenarbeit konkret: Bildungsarbeit im Gemeindebau?“ diskutiert werden.

Zeit: Do, 4.11., 13:30 Uhr - Fr, 5.11., 17:00 Uhr
Ort: FH Campus Wien, Favoritenstraße 226, 1100 Wien

Anmeldungen und weitere Infos ab August unter http://www.kriso.at.
Tagungsbeitrag: VollzahlerInnen: € 120,– / Studierende: € 40,–

Mittwoch, 14. Juli 2010

Protest gegen Verdrängung vom Karlsplatz

Seit über einem Monat kann jedeR beobachten, wie die "Drogenszene" vom Karlsplatz vertrieben wird. Überraschend war, wie wenig das im Vorfeld kritisch und offen diskutiert wurde. Jetzt regt sich doch Widerstand: Am kommenden Samstag, 17.7.10 wird ab 15.00 Uhr ein Aktionstag am Karlsplatz abgehalten:

nähere Infos:
http://lisasyndikat.wordpress.com/2010/07/09/aktionstag-gegen-die-karlsplatzsauberung/

Freitag, 4. Juni 2010

Videoüberwachung soll weiter ausgebaut werden

Nachdem die Videoüberwachung im Gemeindebau auf 23 Wohnhausanlagen ausgebaut wird
(s. z.B. http://www.vienna.at/news/wien/artikel/video-ueberwachung-im-gemeindebau-jetzt-dauerhaft/cn/news-20091229-02355219)

soll der Wille zur Videoüberwachung lt. Presse auch am Parteitag der Wiener SPÖ bekräftigt worden sein:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/569852/index.do

Hier scheinen sich offensichtlich kurzsichtige populisitsche politische Interessen mit wirtschaftlichen Interessen (der Sicherheitsindustrie) zu finden ....

Zahlen wird im Gemeindebau in Zukunft sicher der/die MieterIn - obwohl der Probebetrieb ja "zentral" finanziert wurde.

Interessante Informationen dazu bietet die ARGE DATEN:
http://www2.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=23192zuh


Gesellschaftspolitisch halte ich es nach wie vor für sehr problematisch, soziale Probleme von Nachbarschaften mit Videoüberwachung zu bearbeiten - siehe dazu meine älteren Beiträge, u.a.: http://stoik.twoday.net/stories/5485824/

Sonntag, 9. Mai 2010

Tagung 4.-6.10.2010

Am 4.-6.10.2010 wird im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung eine Tagung zu Gemeinwesenarbeit stattfinden. Die Tradition aus der Erwachsenenbildung, die v.a. im ländlichen Raum wirksam wurde (Stichwort "Eigenständige Regionalentwicklung" und "Toni Rohrmoser") wird dabei verknüpft mit der jüngeren Tradition der Bundesvernetzung der GemeineinwesenarbeiterInnen, die u.a. von den FHs für Soziale Arbeit in den österreichischen Städten getragen wird. Aus diesen beiden Richtungen setzt sich auch die Arbeitsgruppe zusammen, die die Tagung organisiert u.a. mit Martin Geser, Karl Hofinger, Wolfgang Kellner, Christian Kloyber, Elisabeth Kornhofer, Christian Ocenasek, Christoph Stoik, Stefan Vater, Ingrid Wagner und technisch unterstützt von David Röthler.

Als HauptreferentInnen konnte bereits Christian Reutlinger und Eva Sing (Buch über Gemeinwesenarbeit in Österreich) gewonnen werden.
Demnächst wird es auf www.gemeinwesenarbeit.at laufend Informationen über die Tagung geben.

Sonntag, 25. April 2010

GWA in Wien zwischen Ordnungspolitik und Emanzipation

In Wien tut sich ja Einiges in Bezug auf die Gemeinwesenarbeit. Da ich persönlich teilweise sehr involviert bin, möchte ich meine Einschätzung und meine Gedanken dazu in der Fachöffentlichkeit zur Diskussion stellen. Ich berate „wohnpartner“, führe Schulungen auch für „wohnpartner-unterwegs“ durch und hab mich auch bei der Einschulung der „fairplay“-MitarbeiterInnen beteiligt. Das tue ich deshalb, weil ich sehe, dass es starke Kräfte in den betroffenen Organisationen, aber auch bei politisch Verantwortlichen gibt, die ernsthaft an kommunikativer, fachlich begründeter Sozialer Arbeit interessiert sind. Gemeinwesenorientierte Zugänge sind sowohl bei „wohnpartner“, „wohnpartner-unterwegs“, als auch „fairplay“ (aber auch anderen bestehenden wenn auch diskutierten Angeboten der sozialen Arbeit, wie bei „sam“) zu erkennen. In all diesen Projekten bzw. Einrichtungen sind Zugänge zu finden, bei denen es um emanzipatorische Prozesse geht, bei denen Menschen dabei unterstützt werden sollen, Handlungs- und Konfliktlösungskompetenzen zu erweitern und nachhaltige Kommunikationsformen zu entwickeln.

Auf der anderen Seite ist überdeutlich zu erkennen, dass es AkteurInnen gibt, die alle Maßnahmen ausschließlich unter einer Sicherheits- und Ordnungsperspektive sehen wollen. Dabei meine ich nicht nur politische AkteurInnen unterschiedlicher Parteien, sondern v.a. auch viele Medien. Der Druck der dabei auf die MitarbeiterInnen dieser Projekte wirkt ist m.E. sehr groß. Auf der einen Seite spüren sie, dass es Erwartungen gibt, dass Konflikte minimiert, unterdrückt, gelöst werden, damit Ruhe herrscht. Auf der anderen Seite, wollen die Einrichtungen und deren MitarbeiterInnen nachhaltig und kommunikativ, nicht verdrängend wirksam sein.

Umso wichtiger erscheint mir, dass die Einrichtungen und die MitarbeiterInnen diesen Druck standhalten, aber auch schon jetzt zeigen, dass kommunikative, emanzipatorische Vorgehensweisen auch nachhaltig wirksam werden, z.B. in der Etablierung von GWA-Projekten, was dann aber auch öffentliche dargestellt werden muss.
Nur zu warten, dass es nach der Wien-Wahl besser wird, halte ich für Vergeudung von Ressourcen und für frustrierend für alle Beteiligten. Außerdem ist fraglich, ob danach wirklich alles anders sein wird, und der Druck auf Sicherheits- und Ordnungsorientierung der Sozialen Arbeit wirklich abnehmen wird. Der fachliche differenziert Austausch, der aber auch hart und kritisch geführt werden soll, halte ich dabei für unbedingt notwendig – dies soll damit auch eine erste Einladung dazu sein.

Freitag, 23. April 2010

Replik zu Interview mit Reinhard Seiß im Falter 15/10

Im aktuellen Falter (16/10) ist es ja schon korrigiert: Besserverdienende müssen nicht aus dem Gemeindebau ausziehen – eine vernünftige Regelung, um die soziale Durchmischung zu fördern. Diese Maßnahme dürfte aber kleinräumig betrachtet sehr unterschiedlich wirken. Überhaupt ist der Gemeindebau nur verstehbar, wenn er kleinräumiger betrachtet wird. Zu berücksichtigen ist nicht nur das Baujahr der einzelnen Anlagen, die unterschiedliche räumliche Qualitäten zur Folge haben, sondern auch die Lage in der Stadt und „sozialräumliche“ Entwicklungen. So sind Gemeindebauten am Stadtrand z.B. in Döbling für manche sozial besser gestellten Bevölkerungsgruppen noch attraktiv, während andere in Bezirken mit ärmerer Bevölkerung auch wieder nur für Menschen interessant sein könnten, die sich nichts anderes leisten können, die wenig Wahlmöglichkeiten haben. Wohnhausanlagen mit großen Wohnungen wiederum ziehen eher kinderreiche Familien an, was zu Generationenkonflikten führen kann, in anderen ist durch das Alter der Wohnhausanlage und eher kleinen Wohnung eine hohe Heterogenität zu bemerken (ältere Menschen, ärmere Menschen in kleinen billigen Wohnungen, junge kleine Familien, ...). Gemeindebau zeigt sich in Wien also sehr unterschiedliche, und v.a. nicht nur als Ort von sozialen Problemen, wie das im öffentlichen Diskurs manchmal dargestellt wird und damit gleich alle 500.000 BewohnerInnen mitstigmatisiert. Ein Mix an unterschiedlichen, aber auch kleinräumig abgestimmter Maßnahmen (von baulichen Verbesserungen, kommunikativer Angebote wie die von „wohnpartner“, u.a. die Förderung der Partizipation, Anreize für die soziale Durchmischung, aber auch kundennahe und -orientierte Verwaltung) scheint da Sinn zu machen, die Qualität des sozialen Wohnbaus in Wien weiter zu entwickeln, aber auch mit neuen Problemen umzugehen.

DGSA-Sektion GWA in Wien

Am vergangenen Wochenende war eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) in Wien zu Gast. Die sogen. Sektion „Gemeinwesenarbeit“ setzt sich hauptsächlich aus deutschen, schweizer und österreichischen FachhochschuldozentInnen zusammen, die zu GWA lehren und forschen. Im Rahmen der Arbeitstagung kam es auch zu einem Aufeinandertreffen mit KollegInnen aus der Wiener Praxis, die verantwortlich sind für die Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit (mitveranstaltet vom Verein „querstadt“ und dem BA-Studiengang Soziale Arbeit am FH Campus Wien). Diskutiert wurde, wie sich der Diskurs um Sicherheit und Ordnung auf die Gemeinwesenarbeit auswirken könnte, wobei Beispiele aus anderen deutschen und schweizer Städten vergleichend herangezogen werden. Bei der Ursachenforschung wurde festgestellt, dass das Gefühl von Unsicherheit v.a. aufgrund zunehmender sozialer Unsicherheit entsteht. Die Forderung nach mehr Ordnung und die Herstellung dieser durch mehr Ordnungskräfte bekommt so betrachtet einen zynischen Beigeschmack.

siehe zur DGSA auch:
http://www.dgsainfo.de/

Donnerstag, 25. März 2010

"gewerbsmäßiges Betteln"

Morgen, 26.3.2010, soll "gewerbsmäßiges Betteln" im Wr. Landtag verboten werden. Ich protestiere mit einem offenen Brief an die Landtagsabgeordnete, die die Initiative einbringen:

Sehr geehrte Landtagsabgeordnete!

Zu Ihrem Initiativantrag zur Veränderung des Landessicherheitsgesetzes muss ich als FH-Dozent für Soziale Arbeit mit dieses offenen Brief entschieden protestieren. Das geplante Verbot des "gewerbsmäßigen Bettelns" und das erweiterte Wegweisungsrecht richtet sich gegen Menschen, die benachteiligt sind, die dadurch noch mehr aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden und so noch mehr stigmatisiert werden, als sie ohnehin schon sind.

Ich habe Verständnis dafür, dass eine Stadt überlegen muss auf Entwicklungen zu reagieren, die nicht nur kommunal verursacht sind und dabei eingeschränkte Handlungsoptionen bestehen. Zunehmende Armutserscheinungen in der Stadt haben mit mangelhafter nationaler und europäischer Sozialpolitik zu tun, aber auch mit globalen Entwicklungen (z.B. höhere Mobilität).
Die geplanten Maßnahmen sind natürlich auch im Licht der Städtekonkurrenz zu sehen: Wien soll möglichst wenig attraktiv sein für benachteiligte Menschen, damit sie sich in anderen Städten aufhalten und so die Attraktivität des Standorts nicht gefährdet wird.

Abzulehnen ist aber, wenn aus Standortinteressen, eine Politik gegen die Ärmsten unserer Gesellschaft betrieben wird. Das widerspricht völlig der Tradition des roten Wiens, das sich über lange Zeit der Integration von Benachteiligten verschrieben hat.

Die geplanten Änderungen haben folgende Wirkung:

1. Hinter der Formulierung "gewerbsmäßiges Betteln" verbergen sich Unterstellungen, die empirisch nicht nachgewiesen sind, z.B., dass Betteln systematisch organisiert wird, um einfach zu einem Einkommen zu gelangen. Wenn sich Menschen organisieren, die in Armutsverhältnissen leben, um irgendwie zu überleben, ist das noch nicht per se problematisch. Und wenn es im Rahmen dieser Organisation Unterdrückungsmechanismen wirken sollten (die vielleicht auch soziostrukturell begründet sein könnten), dann wäre mehr Wissen darüber nötig, um diese wirksam bekämpfen zu können. Mit der geplanten Formulierung wird ein Vorgehen der Exekutive gegen jede Form von Betteln legalisiert, weil "gewerbsmäßiges" Betteln unausreichend definiert und auch nicht objektiv überprüfbar ist. Weder die dahinterliegende Armut, noch Unterdrückungsmechanismen (die ja auch nicht nachgewiesen sind) werden dabei bekämpft.

2. Dadurch, dass Armut stärker aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, wird sie nicht weniger. Soziale Spannungen werden dadurch nicht minimiert, sondern im Gegenteil: geschürt.
Durch die Maßnahmen wird ermöglicht, kommerziell attraktive Räume von weniger attraktiven Räumen noch mehr zu unterscheiden. Auch das schürt soziale Konflikte in der Stadt, weil die Stadt in "sichere" und "unsichere" Räume gespalten wird.

3. Gerade Menschen mit Benachteiligungen sind auf den öffentlichen Raum besonders angewiesen, weil sie meist nicht über ausreichend privaten Raum verfügen. Durch diese Maßnahmen werden ihnen noch mehr Handlungsmöglichkeiten und Sicherheit genommen.

4. Durch die Formulierung "Belästigung" und "Einschränkung des Gemeingebrauchs" durch "Personen" bzw. "Gruppen", wird aufgrund von äußeren Kennzeichen und von Verhalten Unterscheidungen ermöglicht, was im öffentlichen Raum als erwünscht und was als unerwünscht definiert wird. Dabei stellt sich die Frage, wer das Recht hat diese Definition vorzunehmen. Mit der sehr offenen und schwammigen Formulierung muss der Verdacht aufkommen, dass sich dabei die Interessen durchsetzten werden, die gesellschaftlich stärker vertreten sind. Damit ist zu befürchten, dass wieder die Menschen davon betroffen sind, die ohnehin schon aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden.


Statt der geplanten Maßnahmen, sollte eine sozialverträgliche Politik andere Maßnahmen entwickeln.
Es könnten - neben der Sicherung und Verbesserung der sozialen Sicherheit - Maßnahmen entwickelt werden, die die Toleranz gegenüber Menschen in Armut steigert. Immerhin leben wir in einer der reichsten Gesellschaften der Erde. Es ist unverständlich, dass die kurzen Begegnungen mit ein paar Bettlern oder Wohnungslosen in öffentlichen Einrichtungen mehr aufregt, als die fortschreitende Ausgrenzung dieser Menschen. Es ist nicht nachvollziehbar und vertretbar, dass Neid besonders gegenüber den Ärmsten geschürt wird.

Ich appelliere daher den Antrag zurückzuziehen und stattdessen sozialverträglichere Maßnahmen zu entwickeln.

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Stoik

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